60 Jahre Herzschrittmacher in Deutschland

Chefarzt Dr. Sefer Abdija mit Assistenzärztin Anika Möller beim Auslesen eines Herzschrittmachers
Chefarzt Dr. Sefer Abdija mit Assistenzärztin Anika Möller beim Auslesen eines Herzschrittmachers

Vor 60 Jahren wurde in Deutschland der erste Herzschrittmacher eingesetzt, vor 30 Jahren im Krankenhaus Ludwigslust.

Über 100.000 Mal pro Tag schlägt das Herz, um unseren Kreislauf in Gang zu halten – und das Jahr für Jahr, ein Leben lang. Ein Reizleitungssystem sorgt dafür, dass die Herzaktion reibungslos und gleichmäßig ablaufen kann. Aber: Bei jedem Menschen kann das Herz hin und wieder unregelmäßig schlagen. Dies ist unter bestimmten Voraussetzungen völlig normal. Von einer Herzrhythmusstörung (Arrhythmie) sprechen Ärzte erst dann, wenn das Herz plötzlich und ohne erkennbaren Anlass unregelmäßig schlägt. Kommen solche Arrhythmien häufiger vor, empfiehlt sich ein Besuch beim Arzt. Die Bradykardie (brady=langsam) ist eine Form der Rhythmusstörung, bei der die Herzfrequenz auf deutlich unter 50 Schläge pro Minute abfällt – und hier kommt der Herzschrittmacher ins Spiel.

 

Künstliche Taktgeber haben die Herzmedizin revolutioniert

Ein Herzschrittmacher ist ein medizinisches elektrisches Gerät, das bei einer langsamen Herzrhythmusstörung durch Abgabe von elektrischen Impulsen das Herz zum Schlagen anregt. Der Herzschrittmacher wird immer dann aktiv, wenn der Herzschlag des Patienten zu langsam ist oder aussetzt.
Herzschrittmacher sind in Deutschland seit 60 Jahren fester Bestandteil in der Therapie von langsamen Herzrhythmusstörungen, seit 30 Jahren im Krankenhaus Ludwigslust. Aber Herzschrittmacher können nicht nur langsame Herzrhythmusstörungen verhindern und ausgleichen, sondern auch einen plötzlichen Herzstillstand beenden (Defibrillatoren), die Arbeit beider Herzkammern wieder synchronisieren (Resynchronisationstherapie, CRT) oder als Dauer-EKG den Herzrhythmus überwachen (Eventrecorder).

 

Neue Lebensqualität dank Herzschrittmacher

Die Implantation eines Schrittmachers zählt heute zu den Routineeingriffen: Ein kleiner chirurgischer Eingriff, der meistens in lokaler Betäubung mit leichter Sedierung durchgeführt wird. „Über die Jahre wurden die Geräte dabei immer kleiner und haben heute etwa die Größe einer Streichholzschachtel. Das Prinzip ist seither im Wesentlichen gleich geblieben: Unterhalb des Schlüsselbeins wird ein kleiner Schnitt gesetzt und der Herzschrittmacher in eine kleine Hauttasche eingebettet. Von dort wird er mit einer Elektrode, einem dünnen beweglichen Draht, durch die Vene mit dem Herzen verbunden und kann nun Impulse direkt ins Herz senden, so den Herzschlag regulieren, sich auf die körperliche Beanspruchung des Trägers einstellen, und den Herzschlag daran anpassen“, erklärt Dr. Sefer Abdija, Chefarzt der Kardiologie im Krankenhaus Ludwigslust, und ergänzt: „Gegenwärtig setzen wir in unserem Krankenhaus ca. 250 Geräte im Jahr ein.“

Die durchschnittliche Lebensdauer des implantierten Lebensretters beträgt mittlerweile acht bis zwölf Jahre. So lange versorgt die Lithium-Ionen-Batterie den Impulsgeber mit Strom. Bei regelmäßigen Kontrollen werden die Einstellung und die einwandfreie Funktion des Impulsgebers kontrolliert.

 

Kleinster Schrittmacher der Welt

„Eine Revolution auf dem Gebiet der Herzschrittmacher ist die neue Micra Kardiokapsel, die mit 24 Millimetern Länge und 9 Millimetern Durchmesser ungefähr so groß ist wie eine große Vitaminkapsel“, freut sich Chefarzt Abdija. „Im Krankenhaus Ludwigslust werden wir in naher Zukunft mit der Implantation dieses Micra-Systems einen Weg beschreiten, der die Schrittmachertherapie verändern wird.“ Die Micra-Kapsel trägt eine Batterie, einen Herzmesser und einen Taktgeber in sich und kann dadurch auf Drähte verzichten. Implantiert wird sie über einen Katheter durch eine Vene vom Bein aus direkt in das Herz. Dort wird sie an der Herzwand positioniert und mit Fixierungsankern gesichert. Der gesamte Eingriff dauert nur etwa 45 Minuten. Das neue Verfahren wird vor allem bei Patienten angewendet, bei denen die bisher übliche Implantation eines Herzschrittmachers nicht möglich ist.

Herzschrittmacher gehören heute zu den sichersten medizin-technischen Geräten. Die Lebenserwartung von herzkranken Patienten kann durch das kleine Gerät verlängert und die Lebensqualität deutlich verbessert werden.

 

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